Meeresverschmutzung

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Müllkippe Meer . . .
das Problem mit dem Plastik


Laut Daten aus 2019, erhoben von Dr. Ulrike Kronfeld-Goharani von der Universität Kiel, werden jährlich ca. 300 Millionen Tonnen Plastik produziert. Davon landen etwa zwei Prozent, ungefähr 8 Millionen Tonnen, im Meer. Eine gewaltige Menge, die nicht ohne Auswirkungen auf die marine Umwelt bleibt. Bilder von durch Plastikmüll verschmutzten Stränden sowie von Seevögeln und Meeressäugern, die an Plastikteilen zugrunde gingen, sind heute allgegenwärtig. Doch neben diesen sichtbaren Folgen der Verschmutzung war lange unbekannt, dass nur ein Prozent der ins Meer gelangten Plastikmüllmenge an der Meeresoberfläche tatsächlich auffindbar ist. Rund die Hälfte davon sammelt sich in großen Müllstrudeln, die durch die Ozeanzirkulation gebildet werden.

Aber wo ist der Rest, die anderen 99 Prozent? Erst um die Jahrtausendwende konnte die Wissenschaft das Rätsel lösen: Der größte Teil des Plastik, das ins Meer gelangt, ist Mikroplastik.

 

 
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Das blaue Regal


Prof. Dr. André Freiwald, vom Forschungsinstitut Senckenberg am Meer Wilhelmshaven, berichtete 2019 von immer mehr Müll, den er unter Wasser findet: „Das reicht von Fischernetzen und meterlangen Fangleinen, über verklappte Munition und Schiffswracks, Getränkedosen und Flaschen, bis hin zu Unmengen von jeglicher Art Plastik.

Die Zivilisation geht gedankenlos mit der Umwelt um. Kurzfristig landet vieles auf dem Müll. Und selbst der noch so gut gesammelte, getrennte und auf den richtigen Wegen der Entsorgung oder der wieder Verwertung zugeführte Abfall ist nicht davor geschützt, letztendlich in der Natur zu landen. Auf Umwegen und wegen dubioser Geschäfte endet auch Müll aus unseren Haushalten in den Weltmeeren.“

Prof. Dr. Freiwald hat einen Vorschlag, wie die Flut an Müll eingedämmt werden kann: „Letztendlich gibt es nur eine Lösungen. Es ist unser aller Aufgabe, selbst verantwortungsbewusst zu handeln und auch massiv auf weltweite politische Lösungen zu drängen!“

 

 
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Mikroplastik - eine tickende Zeitbombe (2018)

Dr. Alexander Stollenz ist Biologe und engagiert sich für das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer: „Unser Plastikkonsum wird für Jahrhunderte einen schlechten ökologischen Fußabdruck auf unserer Erde hinterlassen. Einwegbecher, Einwegflaschen, Plastiktüten, Folienverpackungen – wir Menschen produzieren ungeheure Mengen an Plastikmüll, welcher letztendlich in den Meeren landet.

Dort jedoch treibt unser Zivilisationsabfall nicht einfach nur umher, sondern zerfällt in immer kleinere Teile – bis er schließlich zu feinem Plastikstaub zermahlen ist. Diese winzigen Partikel besitzen eine äußerst unangenehme Eigenschaft: Schadstoffe aus der Umgebung werden geradezu magisch angezogen. Viele Meerestiere nehmen diese winzigen Giftbomben auf und so reichern sich die Mikroplastikteilchen und die Gifte in der Nahrungskette an – und landen irgendwann auch auf unserem Teller.

Die Folgen dieser verheerenden, weltweiten Entwicklung sind noch nicht hinreichend erforscht und erst allmählich wird ein Bild erkennbar, welches die Verseuchung unseres Planeten mit Mikroplastik in düsteren Farben zeichnet."

 
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Drifter

Kein Müll ins Meer! lautete das Motto des Thementages 2017 im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven. Unter Anderem gab es einen Vortrag von Rosanna Schöneich-Argent und Jens Meyerjürgens vom Institut für Biologie und Chemie des Meeres der Universität Oldenburg.

Rosanna Schöneich-Argent, M.Sc. (Doktorandin, AG Geoökologie) stellte die Hintergründe zum Projekt „Makroplastik in der südlichen Nordsee“ vor. Sie zeigte zunächst erschreckende Bilder der weltweiten Vermüllung der Meere und ging dabei auf die Quellen und die Verbreitungspfade, aber auch auf Vermeidungsstrategien ein.

Dann erklärte Rosanna Schöneich-Argent, was es mit den Holz-Driftern auf sich hat: Holz-Drifter sind ca. 10 x 12 cm große Brettchen aus Fichtenholz mit einer Dicke von 2 cm oder 4 cm. Sie werden an unterschiedlichen Stellen zu Hunderten gezielt in die Nordsee geworfen. Jeder Drifter hat einen Brennaufdruck mit einer individuellen Nummer und einem Hinweis in Deutsch und Englisch: „Helfen Sie mit, die Verteilung von Meeresmüll zu erfassen! Bitte melden Sie die Nummer und den Fundort dieses Drifters an die Universität Oldenburg unter www.macroplastics.de“. Hier werden die Daten gesammelt und von allen fünf Arbeitsgruppen des Verbundprojekts genutzt.

Zu den insgesamt Tausenden Holz-Driftern wurden bei einigen Auswürfen auch GPS-Drifter ausgesetzt. Diese waren das Thema der Ausführungen von Jens Meyerjürgens, M.Sc. (Doktorand, AG Marine Sensorsysteme). Die GPS-Drifter senden in regelmäßigen Abständen ihre Positionen. Diese Koordinaten werden, zusammen mit den Fundmeldungen der Holz-Drifter, Wettereinflüssen und vielen anderen Faktoren für die Erstellung von Simulationen genutzt. Die Simulationen werden mit den Daten jedes neuen Auswurfes geprüft und angepasst / verbessert. Ein erstes Simulationsbeispiel zeigte kaum Abweichungen zum realen Verhalten der Drifter. Ein toller Erfolg.

Solche Modelle können zukünftig dazu beitragen, dass z. B. über Bord gegangene Ladungen gezielt angefahren und ggf. aufgenommen werden können, bevor sie sich im gesamten Meer verteilen. Oder sie beantworten die Frage, wo der vielerorts an den Stränden gefundene und gesammelte Müll überhaupt herkommt.

Die Energie, das Engagement, die Intensität und das Herzblut, das diese beiden jungen Wissenschaftler für unsere Zukunft in das Projekt stecken, machen wieder Hoffnung.
   
Doch auch wir alle sind zwingend gefordert:
Müll zu vermeiden, wo immer es geht.
Müll gezielt und korrekt zu entsorgen.
Alternativen Gedanken eine Chance zu geben.

 
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Für den JadeWale e.V.: Text© und Foto© - Michael Hillmann.

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